Ein kopierter A5 Zettel machte Ende Juni 1992 die Runde: „1. Feld- und Wiesenfete in Holtrup“. Was als etwas größere Geburtstagsparty dreier Geschwister gedacht war, wurde über die folgenden Jahre zu einer regionalkulturell festen Instanz gleich nach dem Brokser Markt. Im ersten Jahr mussten die beiden vorgesehenen Bands noch angefleht werden, doch bitte aufzutreten- in den weiteren Jahren riefen Musiker bereits ab Januar in Holtrup an und baten, spielen zu dürfen. Christian wurde wegen solch dringender Anrufe mehrfach extra vom Trecker geholt- Kühe versorgen ist schließlich Nebensache, wenn die Aussicht auf den Grammy ruft.
„Lagerfeuer, Live Musik, Getränke“…als umsonst und „all inclusive“ verstand sich die Fete damals. Die Besucherzahl stieg rasch. Was nicht auf dem Flyer stand, war zum Beispiel die legendäre Kartoffelsuppe, die in drei alten Waschkesseln vor Ort überm Feuer gekocht wurde. Vegan? Glutenfrei? …wohl eher nicht- dafür äußerst kommunikativ: Stundenlang schälten viele Freiwillige bereits am Vortag Kartoffeln- irgendwie wars auch immer eine Art Pre-Party. Die fertige Suppe wurde gratis von äußerst hilfsbereiten und sturmerprobten Frauen aus Holtrup verteilt („Schweine füttern ist harmlos dagegen!“).
Das auf dem Flyer erwähnte „Lagerfeuer“ befand sich übrigens mitten auf dem Gelände, umgeben von kleinen Strohballen, die als Sitzgelegenheit dienten und das alles war zentral vor der filigran aus Rundballen konstruierten Bühne. Wir befinden uns also im einer Zeit in der das Knochenorakel des Dorfältesten keine Visionen von Gefährdungspotential aufzeigte und in der Runenschrift das Wort „Brandschutzverordnung“ keinerlei Zeichen entsprach.



In den folgenden Jahren kamen mehr Veranstalter dazu und mit ihnen weitere Ideen.
Zum Beispiel ein kühlender Pool, Spiel- und Spaßangebote sowie weitere Bands.



Wer ist damals eigentlich so aufgetreten? Ein paar Namen finden sich in den alten Aufzeichnungen. Es waren immer um die 12 Bands, jede hatte eine Stunde Spielzeit. Bei einer Anfangszeit von 12 Uhr ergab sich daraus, dass inklusive Umbauzeit die letzte Gruppe am frühen Sonntagmorgen um 3:30 Uhr anfing…ohne Anspruch auf korrekte Schreibweise (sorry dafür) waren das unter anderem „Doris Nova“, „Kilroy“, „The Sensi Smile“, „TLaloc“, „“Surfing Birds“, „My Friend Marvin“, „Buccaneers“, „Spirit Sprain“, „Beast of Burden“, „B18“, „Koreen“ ,… unvergessen an dieser Stelle – Stephan Bartels, der in einem alten Pferdeanhänger untergebracht war und die PA allein (!) abwickelte.
Jedes Jahr wurde das Event größer- da es ungefähr zeitgleich mit Wacken anfing, stellt sich natürlich die Frage nach dem „Was wäre gewesen, wenn…?“. Nach fünf erfolgreichen Jahren war für Christian 1996 leider klar, dass dieses Projekt in diesen Dimensionen mit seiner Tätigkeit auf dem heimischen Milchviehbetrieb nicht weiter zu vereinbaren war….die Erinnerungen blieben trotzdem.
Dreißig Jahre sind inzwischen vergangen. Vor drei Jahren tauchten bei Aufräumarbeiten plötzlich die eingewachsenen Suppenkesselringe aus dem Gebüsch am Fetenplatz auf, Menschen fragten immer mal wieder nach dem Festival, … Was wäre, wenn?!
Was könnte nach 30 Jahren denn sein? Auf jeden Fall kein pures „Retro-Ding“! Eher vielseitige Beiträge alter und neuer Musiker*innen mit Bezug zur Region oder passend zum Konzept: Vielseitigkeit, nette entspannte Atmosphäre, Sommerstimmung. Die Musik? Gerne laut, individuell und bitte mit Wiedererkennungswert- nur ausschließlich Heavy Metal sollte es nicht sein, da dieses Genre bei Festivals im Umkreis ausreichend bedient wird.
Es wird zwei Stages geben, Spiel- und Spaßangebote (ohne Pool), ein Campingarea, ein kulinarisches Angebot von vegan bis rustikal (aber keine Kartoffelsuppe) und vieles mehr. Inzwischen planen wir seit fast zwei Jahren…es wird Zeit: Kommt mit auf die Reise, spannt die Flügel auf wie der Storch im Logo und zieht eure Kreise auf dem Festivalgelände. Vieles kann möglich sein- wenn alle mitziehen.
In einer Zeit, in der viele menschliche, gesellschaftliche und politische Werte in Frage gestellt werden ist es uns ein Anliegen, eine Veranstaltung zu präsentieren, die unterschiedliche Menschen eines breiten Altersspektrums zusammenbringt. Wir bieten Raum für Fantasie, kreativen Austausch und Inspiration. Chillt mal, tankt Hoffnung und Energie. Lasst uns Erinnerungen schaffen, um die Zukunft gestärkt anzugehen. Frei nach dem Spruch mit dem Baum pflanzen: Und wenn die Welt morgen untergeht, machen wir heute noch ein Open Air (…und das sogar in unserem Alter!).
Die widerentdeckten Unterlagen von 1996 belegen, dass den Einnahmen von 18580, 23 DM insgesamt Ausgaben im Wert von 18577,08 DM entgegenzusetzen sind. Es ergab sich demnach ein Gewinn von 3,15 DM. Für 2026 wäre das doch eine wünschenswerte Bilanz 😉